Konzeption
Die pädagogische Konzeption...
...wurde
1995 unter breiter Beteiligung Marbacher Bevölkerungsgruppen und mit Jugendlichen
parallel zu einer Testphase mit vielen Einzelveranstaltungen und Programmen
entwickelt und 1996 einstimmig im Stadtrat verabschiedet. Auf insgesamt
80 Seiten (mit Auswertung der 1.561 Schülerfragebögen im 30-seitigen Anhang)
werden die theoretischen Grundlagen und die konkreten Vorschläge für den
"Marbacher Weg" in der offenen Jugendarbeit dargestellt. Die
vollständige Konzeption sowie Kurzfassungen sind im planet-x erhältlich
- hier einige zentrale Ideen:
Kreatives "Etwas" zwischen den Extrempolen "alles" oder "nichts"
Im gesamten Konzeptionsprozess ging es einerseits um die Vision dessen, was
kommunale, offene Kinder und Jugendarbeit speziell in und für Marbach
leisten kann und soll. Andererseits waren konzeptionelle Überlegungen
grundsätzlich mit praktischen "Testveranstaltungen" gekoppelt,
um Fehlplanungen am "grünen Tisch" zu vermeiden und um schnell
Verbesserungen und Veränderungen für die Marbacher Jugend einzuleiten.
Patentrezepte gibt es zum Glück nicht - das Leben spielt sich als Gratwanderung
auf dem "goldenen (?) Mittelweg" ab!
Non-direktive Pädagogik und selbstbestimmtes Lernen
Kinder,
Teenies und Jugendliche wollen und sollen in ihrer Freizeit nicht “verändert”
oder “pädagogisiert” werden. Wenn Handlungsspielräume vorhanden sind und
die Mitarbeiter Eigenständigkeit und Verantwortungsübernahme positiv unterstützen,
ergeben sich ohnehin eine Fülle von selbstbestimmten Lern- und Veränderungsmöglichkeiten.
Wir stehen für einen präventiven, freizeitpädagogischen Ansatz, der attraktive
und vernünftige Angebote für Kinder und Jugendliche als bestes Gegenmittel
zu Langeweile, Frust und Jugendkriminalität ansieht.
Altersabgestuftes Beteiligungskonzept - vom kleinen ixi bis zum grossen X
Mit steigendem Alter können und sollen Kinder, Teenies und Jugendliche ihre
Interessen zunehmend einbringen, umsetzen und als junge Erwachsene ihre
ureigenen, von Hauptamtlichen unabhängige Projekte realisieren. Bei unseren
Programmen stehen Teilnehmer und Besucher daher im Mittelpunkt und ihre
Ideen und Vorschläge sind ausdrücklich erwünscht. So bewegen sich schon
die Jüngsten beim Sommerferienprogramm grundsätzlich frei zwischen allen
Mitmachbereichen und die Teamer müssten sehen, dass sie die Kleinen begeistern.
Mitbestimmungsmöglichkeiten - Partizipation
Das "x" vom "planet-x": die Variable, die von minus bis
plus Unendlich alles sein kann, was legal ist. Den Wert Null nimmt x nur
an, wenn sich niemand engagiert... Mehr als zehn verschiedene Teams, Arbeitsgruppen,
Crews, Gremien und Initiativen bieten ideale Mitmachmöglichkeiten für
Teenies und Jugendliche mit unterschiedlichen Interessenlagen. Der aktive
Jugendhausverein Club planet-x e.V. und die Mitarbeit in Vereinsgremien
/ Vorstand eröffnen von Stadtverwaltung und hauptamtlichen Personal unabhängige
Öffnungszeiten und Veranstaltungen. Ein klarer Rahmenvertrag regelt die
Zuständigkeiten und im Jugendhausbeirat kommen Jugendliche direkt mit
Gemeinderäten und Verwaltung ins Gespräch.
Raumnutzungsmöglichkeiten - PartYzipation
...die
besten Ideen scheitern häufig an räumlichen "Unzulänglichkeiten"
oder fehlender Infrastruktur. Im Gegensatz zum alten Jugendhaus im Stadtkern
wurde der Neubau durchgängig als funktionelles Zweckgebäude passend zur
Konzeption erstellt, so dass er fast rund um die "brummt". Unabhängig
von Öffnungszeiten können Jugendgruppen, Musikbands, Initiativen und Cliquen
verschiedene Funktionsräume nutzen, sind die Samstag über Wochen mit Privatparties,
Geburtstagsfeiern, Konzerten oder Klassenfeten ausgebucht. Immer wieder
profitieren neue Nutzergruppen von den idealen räumlichen Vorraussetzungen
mit durchdachtem Schliesssystem, Lärmschutz, einfachen Verdunklungs und
Gestaltungsmöglichkeiten. Viele praxisorientierte Detaillösungen, die
komplette, multifunktionelle Ausstattung mit Veranstaltungstechnik und
transparente Checklisten und Raumnutzungsverträge machen den Einstieg
leicht. Ein ganz wichtiger Effekt dieser Raumnutzungen ist die Öffnung
für spezielle Interessengruppen und die Erschließung weiter Nutzerkreise,
die keinen Bedarf an betreuten Angeboten haben. Alle Jugendlichen werden
nie erreicht, aber es gelingt, deutlich mehr und breitere Zielgruppen
zusätzlich zur Stammbesucher-Clique anzusprechen. Die Ressourcen Haus,
Räume, Veranstaltungstechnik und Nutzungsmöglichkeiten sind so attraktiv
und multifunktional, dass sie intensiv genutzt und beansprucht werden
und oft über Wochen im voraus reserviert sind.
Gemeinwesenorientierung und Vernetzung
Um
in Stadt und Öffentlichkeit Jugendlichen und ihren berechtigten Anliegen
erfolgreich Gehör zu verschaffen, sind die Zusammenarbeit und der direkte
Kontakt mit allen wichtigen gesellschaftlichen Gruppen, den örtlichen
Schulen , Kirchen, Vereinen, Firmen und Gewerbe enorm wichtig. Über eine
bewußt offensive Presse- und Informationsarbeit, sowie durch vielfältige,
bunte Kooperationsveranstaltungen mit anerkannten Partnern im Stadtgebiet
ist der Ausbruch aus dem für die offene Jugendarbeit typischen Teufelskreis
von Negativimage, fehlenden Zuschußmitteln und unzureichenden Rahmenbedingungen
gelungen.

